Ist es zu spät, meine Sprache noch an mein Kind weiterzugeben?

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Die kurze Antwort: nein, es ist nie zu spät, deine Sprache weiterzugeben.

Die längere Antwort kommt jetzt.

Jeder Mensch kann zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben entscheiden, eine neue Sprache zu lernen. Auch du kannst heute entscheiden, jetzt mit Japanisch oder Kiswahili zu beginnen. Was aber bedeutet das für dein potentiell zweisprachiges Kind? Warum reden alle davon, dass es besser ist, je früher du beginnst, deine Sprache weiterzugeben? Und was musst du beachten, wenn du deine Sprache eine Zeitlang nicht gesprochen hast und jetzt wieder einführen möchtest?

Der Unterschied zwischen Erstspracherwerb und Zweitspracherwerb

Vereinfacht gesagt sprechen wir von Erstspracherwerb dann, wenn eine Sprache von einem Kind automatisch und ohne aktive Instruktion erlernt wird. Zweitspracherwerb hingegen erfolgt im Allgemeinen dann, wenn ein Mensch eine oder mehrere andere Sprachen bereits beherrscht und dann eine weitere Sprache erlernt. In vielen Fällen involviert das das bewusste Erlernen und Verstehen von Vokabeln und Grammatik.

Logischerweise sind das zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen: nicht nur beherrscht ein Zweitsprachlerner bereits die Grammatik zumindest einer Sprache, sondern er oder sie kann auf diese teilweise auch aktiv zurückgreifen, um Konzepte in der neuen Sprache zu verstehen. Grammtikunterricht und aktives Vokabellernen können hier zu guten Ergebnissen führen.

Kindlicher Spracherwerb verläuft völlig anders. Es gibt noch keine Referenzwerte, auf die das Kind zurückgreifen kann und der Spracherwerb passiert praktisch nebenbei. Eine oder mehrere Bezugspersonen geben ihre Sprachen weiter, indem sie sie regelmäßig mit dem Kind sprechen. Und während das Kind seine Sprache(n) aufnimmt, analysiert und abspeichert, passieren noch ganz viele andere Dinge in seinem Leben. Parallel zum Spracherwerb findet eine umfassende kognitive, motorische und soziale Entwicklung statt, die zum Teil Hand in Hand mit der Sprachentwicklung geht.

Wann sollst du nun beginnen, deine Sprache an dein Kind weiterzugeben?

Je früher Eltern damit beginnen, ihre Sprache an ihr Kind weiterzugeben, desto solider und nachhaltiger ist das Fundament, das die Kinder in dieser Sprache erwerben. Das hat zwei Auswirkungen: Erstens ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kinder eine sehr hohe Sprachkompetenz erreichen. Und zweitens fällt es ihnen später wesentlich leichter, die Sprache weiter auszubauen.

Allerdings ist es keineswegs so, dass man später im Leben eine Sprache nur durch Unterricht erlernen kann oder dass man später im Leben eine Sprache nicht immer noch auf sehr hohem Niveau beherrschen kann. Das sogenannte Sprachbad (language immersion) ist auch für viele Erwachsene immer noch der beste Weg, eine Sprache möglichst authentisch zu erlernen.

Woher kommt die Idee, es könnte irgendwann zu spät sein?

Ohne Frage ist die Wahrscheinlichkeit, eine Sprache auf einem Niveau zu erlernen, das dem von anderen Erstsprechern gleicht, höher, je früher die Eltern beginnen, diese Sprache weiterzugeben. Aber nur weil dein Kind vielleicht schon 2, 3 oder auch 5 Jahre alt ist, heißt das nicht gleich, dass dieses Niveau für dein Kind nicht mehr erreichbar ist.

Ich kenne auch Menschen, die erst mit 9 oder sogar noch später eine neue Sprache erworben haben und heute nicht von anderen Sprechern zu unterscheiden sind. Im Labor bei wissenschaftlichen Tests wahrscheinlich schon. Das ist zwar wissenschftlich gesehen hoch relevant und interessant, aber im Alltag für die Menschen vollkommen irrelevant. Und für dein Kind geht es im Endeffekt um den Alltag, nicht um eine Laborsituation.

Was heißt das denn jetzt konkret für dich und dein Kind?

Egal wie alt dein Kind ist, du kannst deine Sprache immer noch weitergeben. Wichtig ist, dass du anfängst, deine Sprache weiterzugeben und wichtig ist, dass du halbwegs einen Plan hast, wie du vorgehen willst.

Denn je nachdem wie alt dein Kind ist, muss die Herangehensweise an seine Bedürfnisse angepasst werden. Ist dein Kind erst 1 Jahr alt, dann kannst du einfach drauf loslegen und wirst wohl kaum auf Widerstand stoßen. Ist dein Kind schon älter, dann ist es nicht ungewöhnlich, wenn dein Kind sich anfänglich gegen die neue Sprache wehrt.

Werde dir klar über dein Warum

Dann ist es wichtig, dass du dir völlig im klaren darüber bist, warum du deine Sprache weitergeben möchtest. Schreib dir am besten eine Liste, welche konkreten Vorteile dein Kind dadurch haben wird.

Zur Motivation hör dir mal die Geschichten von Menschen an, die eine Familiensprache nicht mitbekommen haben. Wie zum Beispiel in der Podcastfolge mit Kiran Deuretzbacher oder in der Folge mit Luna Dickmann. Ganz ehrlich: ich kenne viele Erwachsene, deren Eltern nicht ihre Erstsprache mit ihnen als Kind gesprochen haben. Ausnahmslos alle haben das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt.

Führe dir immer wieder vor Augen, dass es ein Geschenk für dein Kind ist, wenn du deine Sprache weitergibst. Mach dir klar, dass dein Kind damit sehr viel mehr Möglichkeiten haben wird im Leben und sich mit viel mehr Menschen verbinden wird können.

Deine Sprache und damit Kultur sind unzertrennlich mit deinem Kind verbunden. Denn Sprache ist eben mehr als nur Kommunikationsmittel. Und selbst wenn du deine Sprache nicht weitergeben solltest, ist und bleibt die Kultur Teil deines Kindes. Ohne die Sprache wird es sich aber sehr viel weniger damit verbinden oder damit identifizieren können. Und es wird immer ein Gefühl der Unvollständigkeit zurückbleiben.

Deine ersten Schritte, um deine Sprache weiterzugeben

Alles beginnt mit der Entscheidung. Triff die glasklare Entscheidung, aus voller Überzeugung, dass du deine Sprache ab sofort an dein Kind weitergeben möchtest.

Beginne schrittweise wie zum Beispiel Camila oder stell von einen Tag auf den anderen komplett um wie Daniela. Die Entscheidung liegt bei dir und hängt davon ab, was am besten zu euch passt.

Hol dir Unterstützung. Ich will dir nichts vormachen, der Weg wird kein geradliniger sein. Es wird gute und schlechte Tage geben. Dein Kind wird sich vielleicht wehren oder dir wird es manchmal einfacher vorkommen, doch bei der Umgebungssprache zu bleiben. Um dranzubleiben, ihre Sprache an ihr Kind weiterzugeben, und somit auch echte Erfolge erleben zu können, brauchen die meisten Menschen kontinuierlich Unterstützung.

Diese Unterstützung findest du bei mir im Multilingual Momentum Club. 6 Monate lang bekommst du nicht nur meine professionelle Unterstützung, sondern auch eine Community die mit dir gemeinsam den gleichen Weg geht. Die Erfolge, die jede einzelne Familie bis jetzt verbuchen konnte, sind unglaublich und machen mir jedes Mal wieder Gänsehaut. Kinder, die Sprachen zu sprechen beginnen, die bis wenige Wochen oder Monate zuvor nicht einmal Teil ihres Lebens war. Kinder, die Sprachen aktive zu verwenden beginnen, die sie zuvor zum Teil jahrelang verweigert haben. Eltern, die so viel mehr gewinnen als nur das Aufleben ihrer eigenen Herzenssprache. Die wieder Zugang zu einem Teil von sich bekommen, der bereits ein Stück weit versteckt war.

Bewirb dich jetzt um einen Platz. Ich freue mich riesig auf dich.

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