Auf nach Griechenland V: Sophias (10 Jahre) und mein Fazit

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich mochte Griechenland nie besonders. Versteh mich nicht falsch: es war nicht, dass ich irgendetwas gegen Griechenland hatte. Aber dieses Und-irgendwann-bleib-I-dann-dort-Gefühl, das konnte ich nie richtig nachvollziehen.

Lustig eigentlich, aus meinem Mund. Mein allererster Flug führte mit 15 Jahren nach Griechenland. Alleine zu meiner Brieffreundin. Mit 19 machte ich einen ganzen Sommer lang ein Praktikum auf Kreta. Später war ich während meiner Zeit in der Touristik regelmäßig in unseren Hotels in Griechenland. Und dann heiratete ich einen Griechen.

Und trotzdem. Griechenland blieb für mich ein Land im Süden Europas, in dem ich schon oft war, aber das mir nie so mitten ins Herz getroffen hatte.

Nur die Sprache. Die liebte ich seit meinem Praktikum auf Kreta. Die wollte ich seit damals so richtig sprechen können.

Zu meinem Geburtstag im Mai waren wir in Athen.

Unglaublich, was knapp 5 Monate alles verändern können

Griechenland ist mir ein Zuhause geworden.

Heimlich, still und leise hat sich dieses Land in mein Herz geschlichen, wie kein anderes zuvor.

Mit der Verkäuferin im Buchgeschäft, die Tränen in den Augen bekam und mich umarmte, als sie unsere Geschichte hörte. Mit den Verkäufern am Wochenmarkt, die mich und meinen Sohn alle schon kannten und begrüßten. Sogar mit denen, mit denen ich (auf Griechisch) streiten musste, weil sie zu den seltenen unfreundlichen Exemplaren gehörten.

Mit der Apothekerin ums Eck, die wir viel zu oft brauchten und die meinen Kindern immer Lollies schenkte. Mit der Capoeira-Gruppe, die nicht nur meine Kinder, sondern auch uns mit offenen Armen aufgenommen hat.

Mit der Warnblinkanlage, die einfach grundsätzlich zu allem im Straßenverkehr befähigt. Mit all den Muscheln, die das Meer und die Strände mir geschenkt haben. Mit dem ganz besonderen Grün und den Blütenmeeren, die sich nur im griechischen Frühling zeigen. Mit seinen Wäldern und Betonverbauungen und seinen Graffitis.

Die Wasserfälle von Edessa.

Mit seiner Sprache, die mir endlich wirklich näher kam.

Und mit diesem generellen Alles-nicht-so-schlimm, Das-machen-wir-schon-irgendwie, wesentlich entspannteren Lebensstil, als ich das hier in Österreich oft erlebe. Spannend eigentlich: erst durch unsere Zeit in Griechenland ist mir wieder aufgefallen, wie oft Dinge hier einfach so sein müssen wie sie sein müssen.

Und Griechenland ist mir vor allem dadurch so ans Herz gewachsen, das ich beobachten konnte, wie meine Kinder ein Teil dieses Landes und dieser Kultur sind. Wie wohl sie sich dort fühlen und wie sie sich dort bewegen und einfinden, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten.

Die Perspektive von Sophia

Sophia und ich am Fuße des Olymp.

Meine Kinder sind in diesen 5 Monaten unglaublich gewachsen. Sie haben Heimweh und Zugehörigkeit gleichzeitig erfahren. Und als Sophia eines Tages zu mir sagte, sie wünschte, es würde sie zweimal geben, einmal in Österreich und einmal in Griechenland, da begann die Idee in mir zu keimen, sie hier zu Wort kommen zu lassen.

So wurde sie mein aller, aller, aller „besonderster“ Gast in meinem Podcast Multilingual Stories (und alle anderen Gäste werden mir sicher verzeihen, dass ich das so sage).

In dieser Podcastfolge erzählt meine 10-jährige Tochter Sophia darüber, wie sie die letzten 5 Monate in Griechenland erlebt hat, was sie gelernt hat und was wir besser machen hätten können.

Würden wir es wieder tun?

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich wieder fahren? 1000 Mal ja.

Werden wir es ein zweites Mal machen? Die Kinder meinten, frühestens in 2 Jahren und das klingt auch für mich plausibel. Ich kann es mir gut vorstellen, noch einmal ein Semester nach Griechenland zu gehen. Das Land, die Kultur, die Menschen … all das gehört nach dieser Zeit auf ganz neue Art und Weise zu uns und ich wünsche mir, dass wir das als Familie öfter als einmal erleben können.

Thassos
Zum Abschluss unserer Reise haben wir noch eine Woche Urlaub auf Thassos gemacht.

Was ist meine Quintessenz?

Es war ein tolles Abenteuer. Bereichernd, fordernd, herzerwärmend, nervenaufreibend, energetisierend, ermüdend. Alles auf einmal und alles gleichzeitig.

Was aber auch sehr klar wurde: das Leben hier in Österreich ist zum jetztigen Zeitpunkt für uns um ein Vielfaches schöner.

Erstens leben wir hier mitten im Grünen. Das hat uns allen sehr gefehlt. Wir haben zwar viele Ausflüge gemacht und im Frühling ist die Natur in Griechenland auch besonders schön, aber Thessaloniki selbst ist leider eine Betonwüste.

Mir persönlich machte besonders die Luft sehr zu schaffen. Aber wohl auch die Kinder merken wohl den Unterschied: Als ich kurz nach unserer Rückkehr mit meinem Jüngsten auf einem Spielplatz war und dabei durch einen kleinen Wald ging, meinte er aus tiefster Seele: „Ach, ich liebe diese Baumluft.“

Zweitens haben wir das Riesenglück, hier eine ganz fantastische Schule für die Kinder zu haben, die ihresgleichen sucht. Das möchte keiner von uns missen.

Was bleibt ist eine riesige Dankbarkeit für diese gemeinsame Zeit, die uns als Familie noch näher zusammenrücken hat lassen. Für diese Möglichkeit, für all die vielen kleinen und großen Erlebnisse.

Und es bleibt – hoffentlich noch lange – das Gefühl, vieles im Leben wesentlich entspannter zu sehen als davor. Vieles ist bei weitem nicht so ernst oder so wichtig, wie wir hier in Mitteleuropa oft glauben. Wenn man alles mit einer Prise Meersalz nimmt, dann lebt sich’s insgesamt leichter. Griechischer.

Eines ist jedenfalls sicher: Griechenland ist jetzt für immer in meinem Herzen. Und vielleicht bleib ich ja doch irgendwann noch für immer dort.

Sonnenuntergang auf Thassos.

Hier gibt es übrigens unser Abenteuer von Anfang an nachzulesen: Die Planung, Das Chaos, Reise und Ankommen, Die ersten 100 Tage.

QUICKLINKS

Dr. Bettina Gruber

Email an bettina@dielinguistin.at

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