5 Tipps wie du deiner Partnerin hilfst, ihre Muttersprache weiterzugeben

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In unserer Familie gebe ich meine Muttersprache Deutsch an meine Kinder weiter. Wir leben in Österreich, sodass die Kinder grundsätzlich sehr viel Input in meiner Muttersprache Deutsch bekommen: im Kindergarten, in der Schule, vom Rest meiner österreichischen Familie und auch in den meisten Situationen des öffentlichen Lebens im Supermarkt oder auf dem Spielpatz. Mein Mann spricht seit ihrer Geburt mit unseren Kindern ausschließlich Griechisch. Seit September 2019 besuchen sie einmal wöchentlich samstags die griechische Schule in Wien, was, wie so vieles Andere, durch Covid im Frühjahr 2020 leider wegfiel.

Dieser zusätzliche Input, der plötzlich fehlte, zwang mich dazu, mich intensiver mit meiner eigenen Rolle im Griechischerwerb meiner Kinder auseinanderzusetzen. Anfangs dachte ich, dass ich einfach mein Griechisch verbessern müsse, um es zu unserer Familiensprache machen zu können. In unserem ganz persönlichen Alltag stellte ich dann aber fest, dass die Dinge, die wirklich einen Unterschied für meine Familie machten, tatsächlich wesentlich vielfältiger waren.

Warum es so wichtig ist, alle Familiensprachen weiterzugeben, darüber habe ich hier schon einmal geschrieben. Hier sind jetzt meine 5 Tipps, wie du deine Partnerin (oder deinen Partner) effektiv dabei unterstützen kanst, ihre Muttersprache an eure Kinder weiterzugeben.

1. Wertschätzung

Nie wieder wird es so einfach für dein Kind sein, eine Sprache zu erlernen. Alles, was deine Partnerin deinem Kind weitergeben kann, ist ein Geschenk! Wenn das Kind spürt, dass die Sprache, die es ganz spielerisch erlernt, auch von dir wertgeschätzt wird, wird es diese Haltung übernehmen. Auch wenn du es nicht laut aussprichst, wird dein Kind merken, wie du zu jeder eurer Familiensprachen stehst. Eine positive Haltung euren Familiensprachen gegenüber wird sich positiv auf den Spracherwerb ausüben, weil dein Kind sich mit allen Sprachen wohl fühlen wird.

2. Multilingual und multikulturell

In den meisten Familien, in denen mehr als eine Sprache gesprochen wird, treffen auch mehrere Kulturen aufeinander. Das ist eine riesige Chance für dein Kind! Diversität, multikulturelles Leben und Offenheit jeglicher Andersartigkeit gegenüber sind komplett normal für dein Kind. Es wurde in eine Welt geboren, in der verschiedene Traditionen, Bräuche und Glauben ein ganz normaler Teil des Alltags sind.

Wenn dein Kind wahrnimmt, dass du dich für die Kultur deiner Partnerin interessierst und sie schätzt, wirst du ein positives Vorbild für dein Kind werden. Das wiederum wird es deinem Kind erleichtern, sich für die andere Kultur zu begeistern. Feiert die Feste, kocht die traditionellen Gerichte und zeige deinem Kind, wie bereichernd alle Aspekte der Kultur deiner Partnerin sind. Ich koche beispielsweise mit Begeisterung griechische Gerichte! Ich, die Österreicherin. Genau so gern lerne ich neue griechische Lieder mit meinen Kindern. 

3. Lern die Muttersprache deiner Partnerin

Ich hatte schon ein paar Griechischkenntnisse, bevor ich meinen Mann kennenlernte. Das half natürlich. Mit der Geburt unseres ersten Kindes wuchsen auch meine Kenntnisse stetig, denn plötzlich hörte ich es jeden Tag. Mein Vokabular und mein Verständnis für einfache Strukturen wurden größer. Ich erreichte allerdings nie ein Niveau, auf dem ich mich wohlfühlte, es zu sprechen.

Als dann die griechische Schule keine Option war und auch im Sommer kein Familienbesuch in Griechenland möglich war, wurde mir schnell klar, dass es an der Zeit war, meinen eigenen Rat zu befolgen und an meinem Griechisch zu arbeiten. Ich erzählte den Kindern, dass ich mehr Griechisch sprechen wollte, um es zu verbessern.

Ich suchte und fand eine Sprachlern-App und begann, kontinuierlich damit zu lernen. Meine Kinder waren schnell neugierig, was ich denn da mache und wollten die App selbst probieren. Ich war so überrascht, welche Auswirkungen das für sie hatte! Um die App zu benutzen, mussten sie Griechisch lesen, was ihre Lesefertigkeiten verbesserte. Sie konnten grammatische Strukturen visuell wahrnehmen, was sonst in der gesprochenen Sprache natürlich schwerer fällt. Seitdem kommt meine Älteste häufiger zu mir und fragt nach der Sprachlern-App, um ihr Griechisch zu verbessern.

Lern so viel von der Muttersprache deiner Partnerin, wie du kannst. Auch, wenn es nur ein bisschen ist – es hilft! Zeig Interesse und Initiative. Schau nach einer Sprachlern-App (sofern möglich) oder lern ein paar Phrasen für den Alltagsgebrauch. Es wird dir helfen, deine Partnerin in der Kommunikation mit den Kindern zu verstehen und wird ihnen vor allem zeigen, dass die Sprache für euch wichtig ist. Falls du die Sprache schon fließend sprichst, überlegt, sie zur Familiensprache zu machen.  Wenn die Muttersprache deiner Partnerin also die Minderheitensprache in eurer Familie ist und ihr wenig Input von außen und wenige Alternativen habt, kann es eine hervorragende Möglichkeit sein, diese Sprache zu stärken. 

4. Ermutige deine Partnerin

Es ist nicht immer einfach, allein für den Erwerb einer kompletten Sprache verantwortlich zu sein. Häufig kann es eine sehr einsame Aufgabe sein, die viele Frustrationen mit sich bringt. Ich kenne keine einzige Familie, die nie Herausforderungen zu bewältigen hatte. Manchen Eltern fällt es schwer, ihre Muttersprache konsequent mit dem Kind zu sprechen, wenn sie sich schon daran gewöhnt haben, die Umgebungssprache zu sprechen. Anderen fällt es schwer, die Sprache weiterhin zu sprechen, wenn Familienmitglieder anwesend sind, die die Sprache nicht verstehen. In vielen Familien wird es kompliziert, wenn das Kind bereits sprechen kann, aber die Minderheitensprache nicht aktiv verwenden möchte.

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Wenn deine Partnerin aber weiß, dass du hinter ihr stehst und es zu 100% unterstützt, dass sie ihre Muttersprache weitergibt, sie auch dann ermutigst und aufbaust, wenn es schwer wird, wird das nicht nur positive Auswirkungen auf deine Partnerin haben, sondern auch auf deine Kinder.

5. Es ist okay, nicht alles zu verstehen

Ich weiß, dass dieser Punkt durchaus kontrovers diskutiert wird. Ich werde sehr häufig gefragt, was meine Tipps sind, wenn der Partner die Sprache nicht versteht. Zunächst würde ich immer raten, unbedingt die Sprache zumindest ein bisschen zu lernen. Auch Grundkenntnisse helfen bereits.

Und dann empfehle ich, zu akzeptieren, dass du nicht alles verstehen wirst, was deine Partnerin mit deinen Kindern spricht. Ich weiß, dass das für viele Eltern sehr schwer ist. Sieh es aus dieser Perspektive: Es wird nie wieder so einfach für dein Kind sein, die Sprache deiner Partnerin zu lernen. Wenn du noch damit haderst, für dich herauszufinden, warum es wichtig ist, dass dein Kind alle Familiensprachen lernt, lies am besten mal hier weiter.

Und dann steh vollkommen hinter eurer Entscheidung und euren Zielen, auch wenn das heißt, dass es Situationen gibt, in denen du nicht alles verstehst. Selbstverständlich kann das auch Missverständnisse oder Konflikte entstehen lassen. Die gibt es doch aber selbst in einsprachigen Familien. Ist eine weitere Sprache eine Herausforderung für die Kommunikation? Natürlich. Aber jedes Mal, wenn deine Partnerin nicht ihre Muttersprache spricht, wird deinen Kindern wertvoller sprachlicher Input verwehrt. Wenn ihr euch in euren Zielen gemeinsam klar seid, ist der Preis, nicht immer allen Konversationen bis ins Detail folgen zu können, ein kleiner und verschmerzbarer. 

So läuft es bei uns

All diese Tipps stammen direkt aus unserem mehrsprachigen Alltag mit unseren 3 Kindern. Unsere Kinder sprechen alle drei Griechisch, die Älteste kann auch schon sehr gut lesen und schreiben, die Mittlere ist am Weg dorthin. Gibt es auch bei uns Verbesserungspotential? Selbstverständlich! Aber es ist unsere Aufgabe, es für die Kinder so einfach wie möglich zu machen, auch wenn das für uns nicht immer der einfachste Weg ist.

Vor ein paar Wochen fragte ich meine älteste Tochter übrigens, ob sie später auch einmal Griechisch an ihre Kinder weitergeben wolle. Völlig entgeistert schaute sie mich an und erwiderte „Natürlich!“ Damit das möglich ist, werden wir alles tun, um ihr Griechisch so gut wie möglich zu festigen.

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