Auf die Menge des Sprachinputs kommt es an

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Irgendwie ist es logisch: ein Kind muss eine Sprache hören, damit es die Sprache auch erlernt. Und irgendwie ist es auch logisch, dass das Kind, je mehr bilingualen Sprachinput es bekommt, desto eher selbst auch bilingual werden wird.

Ein Kind wird also nicht dadurch zweisprachig, dass die Eltern grundsätzlich unterschiedliche Erstsprachen haben, sondern dadurch, dass diese Sprachen auch mit dem Kind gesprochen werden. Warum ich das überhaupt erwähne? Weil ich nicht erst nur eine Familie getroffen habe, in der die Eltern dachten, das kommt schon alles von alleine.

Tut es auch. Aber gleichzeitig eben auch nicht. Es gilt einige Dinge zu beachten und zu verstehen. Allen voran die Bedeutung der Menge das Sprachinputs. Um das zu verstehen, müssen wir erst einmal noch einen Schritt zurück gehen.

Was heißt es überhaut, eine Sprache als Kind zu erlernen?

Wir Menschen sind ziemlich genial. Vor allem unser Gehirn ist enorm faszinierend. Eine Sprache zu erlernen ist im Endeffekt nichts anderes, als ein rein kognitiver Vorgang. Ab dem Moment, ab dem Kinder auf die Welt kommen (eigentlich sogar schon vorher, wie ich hier schon einmal beschrieben habe), beschäftigt sich das Gehirn des Kindes (unter anderem) mit dem Sprachinput.

All der Sprachinput, der auf das Kind zukommt, wird vom Gehirn aufgenommen, analysiert, strukturiert und abgespeichert. Bis ein Kind eine Sprache in vollem Umfang verwenden kann, muss es ganz viele Details und Einzelheiten der Sprache lernen (darüber habe ich auch hier schon einmal geschrieben).

Was dein Kind alles vom Sprachinput verstehen muss

  • die einzelnen Laute und wie sie miteinander kombiniert werden können
  • die Sprachmelodie, also wann in einem Satz wo die Stimme rauf und wo wieder runter geht
  • wie und wo Wörter und Sätze betont werden
  • die kleineren Wortbestandteile und ihre Bedeutung, zum Beispiel „un-“ in „unwichtig“, „-ig“ in „eisig“ oder auch „-st“ in „du kommst“ (darüber habe ich hier schon einmal mehr geschrieben)
  • die Wortbedeutung an sich, also was ist denn ein Löffel, was ein Hund und was ist ein Baumhaus
  • die grammatikalischen Eigenschaften der Wörter, ist es ein Nomen oder ein Verb, ist es Feminin oder Neutrum, hat es eine Mehrzahl und wenn ja, welche
  • die Möglichkeiten, wie diese Wortbestandteile und Wörter miteinander kombiniert werden können und wie man damit Sätze bilden kann
  • wie man diese Sätze dann auch zu sinnvollen Geschichten zusammenfügen kann
  • wann man was sagen kann und welche Wörter oder Aussagen man in manchen Kontexten besser nicht verwendet

Ist dir jetzt ein bisschen schwindlich geworden? Und wenn ich dir sage, dass das immer noch nur ein kleiner Ausschnitt dessen ist, was die Kinder tatsächlich alles lernen, während sie eine Sprache erwerben? Faszinierend, oder?

Und das alles nur durch Sprachinput

Noch faszinierender ist, dass Kinder das lernen, ohne dass ihnen das alles erklärt wird, sondern einfach indem die Sprache mit ihnen gesprochen wird.

Kleine Randnotiz: Sprache ist so hochkomplex, dass wir nicht einmal in der Lage wären, alles auch tatsächlich zu erklären, was ein komplettes Sprachsystem ausmacht. Drum ist die Linguistik auch so ein lebendiges Forschungsfeld, weil es immer noch unendlich viel zu verstehen gibt. Nur die Kinder, die juckt das nicht. Die lernen es einfach.

Dein Gehirn hat genau das übrigens auch geleistet, als es seine erste(n) Sprache(n) erworben hat. Und jetzt kannst du dein Kind dabei beobachten.

Und dann auch noch bilingualen Sprachinput

Wenn du dich jetzt fragst, wie denn ein Kind das dann auch noch für zwei, drei oder mehr Sprachen schaffen kann, dann hast du begonnen zu verstehen, wie genial dein Kind ist. Denn: ja natürlich kann dein Kind das für mehr als eine Sprache schaffen.

Aber es braucht dazu eben ausreichend Sprachinput, damit es auch all die Dinge erkennen und abspeichern kann, die zu einer Sprache gehören. Wenn dein Kind eine Sprache also nur einmal in der Woche für ein paar Stunden von der Oma hört, dann ist das super, damit dein Kind ein Gefühl für die Sprache bekommt und den einen oder anderen Ausdruck lernt, den die Oma eben gerne verwendet. Aber es wird nicht ausreichend Sprachinput sein, damit dein Kind diese Sprache auch fließend sprechen lernt.

Je mehr bilingualer Sprachinput desto besser

Nach all dem, was ein Kind also alleine durch den Sprachinput, den es bekommt, lernen muss, ist ja klar, dass je mehr Sprachinput, desto fließender.

Darum sollst du jede Gelegenheit nutzen, die du bekommst, um mit deinem Kind, deine Sprache zu sprechen. Und auch jede Gelegenheit, um deinem Kind zumindest gelegentlich auch noch zusätzlichen Sprachinput zu geben. Denn die Menge alleine macht es nicht aus. Dazu noch mehr in diesem Beitrag.

In meinen Gruppenprogrammen unterstütze ich Familien übrigens genau dabei: herauszufinden wann und wie sie am besten die Menge des Sprachinputs für ihre Kinder erhöhen, damit sie eben alle Familiensprachen erfolgreich lernen. Wenn du dir nach diesem Beitrag jetzt denkst, dass du da auch unbedingt die nächsten Schritte gehen möchtest, dann sei bei der nächsten Runde meines 4-Wochen-Intensivprogramms für mehrsprachige Familien dabei: dem Multilingual Booster Club. In diesen Gruppenprogramm kümmern wir uns intensiv darum, wie du auch deine Sprache so an dein Kind weitergeben kannst, dass es diese erfolgreich und vor allem nachhaltig lernt. Und zwar individuell abgestimmt auf dich und deine Familie, auf eure Situation, eure Möglichkeiten und eure Bedürfnisse. Ich freue mich auf dich!

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