Sommer, Sonne, Wasser

Gestern Nachmittag wurde ich innerhalb weniger Stunden Zeugin von zwei Unfällen mit Kleinkindern im Wasser. In beiden Fällen wurden die Kinder innerhalb weniger Sekunden aus dem Wasser gezogen und waren soweit feststellbar in Ordnung. 

Dem ersten Kind wurde im 40 cm tiefen Becken ein Schwimmflügerl von einem anderen Kind runtergezogen. Obwohl das Kind dort auch stehen hätte können, ging es sofort unter. Das zweite Kind ist neben der Mutter ins Wasser gefallen, als es etwas aus dem Becken fischen wollte. Das Kind war sofort regungslos im Wasser, obwohl es bei den Stufen hineingefallen ist und eigentlich nur aufstehen hätte müssen.

Was passiert, wenn Kinder untergehen?

Dies ist übrigens die normale Reaktion von Kindern unter etwa 3 Jahren: Sie unternehmen keine Selbstrettungsversuche, es tritt eine Schockstarre ein, oft fehlt es auch einfach an der nötigen

körperlichen Kraft, um sich aufzurichten. Und wenn das Gesicht mit kaltem Wasser in Kontakt gerät, kommt es zum Eintauchreflex: die Stimmritze krampft, wodurch die Sauerstoffzufuhr sofort unterbunden wird. Dies wird auch als trockenes Ertrinken bezeichnet, da kein Wasser in die Lunge eintritt. Aus all diesen Gründen können auch schon wenige Zentimeter Wasser gefährlich werden.

Im Übrigen rufen Ertrinkende generell nicht um Hilfe, rudern nicht mit den Armen, schreien nicht. Weder Kinder noch Erwachsene. Ertrinken geht leise vor sich.

Sekundäres Ertrinken

Und auch wenn die Kinder ganz schnell aus dem Wasser gezogen werden und vorerst scheinbar in Ordnung sind, muss man sie über die nächsten 24 Stunden (lt. manchen Berichten bis zu 48 Stunden) noch genau beobachten: Selten aber doch gibt es Fälle von sekundärem Ertrinken. Dabei kommt es zu späten Komplikationen, wenn beim Unfall selbst Wasser in die Lunge geraten ist. In weiterer Folge kommt es zu einem akuten Sauerstoffmangel, der zum Tod führen kann. Warnzeichen sind etwa erneutes Husten nach einer Phase, in der alles normal war, Teilnahmslosigkeit, ungewöhnlich schnelles Atmen oder verfärbte Lippen. In dem Fall muss man umgehend in ein Krankenhaus.

Im Übrigen gilt: So früh wie möglich schwimmen lernen, so viel wie möglich genießen, die Freude am Wasser teilen, den Respekt davor respektvoll mitgeben. Und die Kleinen einfach nicht aus den Augen lassen.

Quellen:
Bundesarbeitsgesellschaft Mehr Sicherheit für Kinder
Elternbildung
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs
Kinder- und Jugendärzte im Netz

Weiterführende Links auf Englisch:
Ein Erfahrungsbericht einer Mutter zum Sekundären Ertrinken
English safety information

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